Informationen über einige wichtige Probleme und Entwicklungen in Uganda. Maria Hirsch. Juni 2007


Innenpolitik

• Verfassung

Die neue Verfassung Ugandas wurde in einem weltweit einzigartigen Verfahren erarbeitet.
Drei Jahre lang hielt eine Verfassungskommission im ganzen Land Seminare über Bedeutung und Sinn einer Verfassung und forderte die Bevölkerung auf, sowohl als Individuen als auch über Gremien Vorschläge für eine neue Verfassung zu machen. Aus den über 50.000(!) Vorschlägen wurde von der Kommission ein Vorschlag erarbeitet, der die Grundlage für die Diskussionen in einer direkt gewählten Verfassunggebenden Versammlung (ähnlich zusammengesetzt wie das Parlament) bildete.
Ein Jahr lang tagte diese Versammlung und 1995 wurde die „Constitution of the Republic of Uganda“ verabschiedet.
Kontroversen gab es vor allem zu zwei Punkten: dem politischen System (Movement-System versus Mehrparteiensystem) und dem Verwaltungssystem (Föderalismus versus Dezentralisierung)
Ein Kompromiss, der allerdings von den VertreterInnen des Mehrparteiensystems nicht wirklich akzeptiert wurde, kam zustande. Und zwar sollte fünf Jahre nach Inkrafttreten der Verfassung ein Referendum abgehalten werden, welches politische System von der Bevölkerung gewünscht wird.

• Politisches System
Grundlagen des Movement-Systems:
Im Jänner 1986 übernahm die Guerillabewegung NRM (National Resistance Movement) mit Präsident Yoweri Museveni an der Spitze nach fünfjährigem Bürgerkrieg die Macht in Uganda. Bereits während der Kämpfe wurde ein neues politisches System in den jeweils befreiten Gebieten angewandt: das Movement-System
Jede/r BürgerIn Ugandas ist Mitglied des Movements (der „Bewegung“) und sowohl passiv als auch aktiv wahlberechtigt (ab einem bestimmten Alter für verschieden Funktionen) und kann sich Wahlen auf verschiedenen Ebenen stellen, wenn eine bestimmte Anzahl an Unterstützungserklärungen gesammelt werden konnte. Es ist nicht notwendig einer Partei anzugehören und von dieser nominiert zu werden. Dies macht auch den Unterschied zum Einparteien-System aus, in dem Parteigremien bestimmen, wer zur Wahl gestellt wird. Es steht auch allen Mitgliedern von Parteien offen sich als Person zur Wahl zu stellen.
Parteien sind erlaubt, jedoch Restriktionen unterworfen (keine nationalen Delegiertenversammlungen, Propagandabeschränkungen, etc.) Begründung dafür ist, dass im nichtindustrialisierten Afrika keine Klassengesellschaft existiere. In Uganda sind 90% der Bevölkerung Subsistenzbauern, die im Grunde die gleichen Interessen haben. Parteien orientieren sich in ihren Ideologien daher nicht an Interessen einer bestimmten Gesellschaftsschicht sondern eher an Religion und ethnischer Zugehörigkeit.
Basis des Movement-Systems sind die Local Committees (LC-1), ein Gremium von neun Personen (eine Frau und ein Jugendvertreter sind obligatorisch), das auf unterster Ebene in den Gemeinden oder auch in Stadtteilen bis zu 5000 Einwohnern, das von allen in diesem Gebiet Wohnenden direkt gewählt wird. Durch indirekte Wahlen werden dann in größeren Gebieten weitere Komitees gewählt.
Auf Distriktebene wird der/die Vorsitzende des LC-5 in allgemeinen, direkten und geheimen Wahlen gewählt.
Das Parlament besteht aus den Abgeordneten, aus den 215 Wahlkreisen, die ebenfalls direkt und in geheimen Wahlen gewählt werden. Zahlreiche Mitglieder von Parteien wurden auf diese Weise auch ins Parlament gewählt, jedoch auf Grund ihrer persönlichen Verdienste („personal merit“) und nicht als ParteienvertreterInnen. Zusätzlich wird in jedem Distrikt eine Frauenrepräsentantin indirekt gewählt und ins Parlament entsandt. Damit sind im ugandischen Parlament mindestens 80 Frauen vertreten – zusätzlich zu jenen, die sich dem direkten Wahlkampf gestellt und gewonnen haben. Weiters gibt es noch zehn VertreterInnen der Armee, fünf der Arbeiterorganisationen, fünf BehindertenvertreterInnen und fünf JugendrepräsentantInnen im Parlament.

• Referenden
Am 29. Juni 2000 fand das erste Mal ein Referendum über das politische System statt und brachte ein überwältigendes Votum für das Movement-System (91% der abgegebenen Stimmen). Die Parteien allerdings hatten zu einem Boykott aufgerufen, da über ein universelles Recht wie Versammlungs- und Meinungsfreiheit kein Referendum abgehalten werden dürfe. Die Wahlbeteiligung betrug 51% der registrierten WählerInnen, was sich allerdings nicht sehr stark von den letzten Parlaments- und Präsidentwahlen unterscheidet und nicht unbedingt auf den Boykottaufruf zurückzuführen ist.
Von den Geberländern wurde danach immer mehr Druck ausgeübt, ein „wirklich“ demokratisches System – nämlich das Mehrparteiensystem nach englisch/amerikanischem Muster einzuführen. 2005 wurde daher die Bevölkerung wieder befragt und diesmal sprach sich auch die politische Führung der NRM für das Mehrparteiensystem aus und die Bevölkerung entschied sich bei sehr geringer Beteiligung für das Mehrparteiensystem. Bis zu den Parlaments- und Präsidentenwahlen 2006 mussten sich alle bereits bestehenden und auch neu formierte Parteien registrieren lassen und auch die NRM musste ihre Organisationsform zu einer parteigemäßen ändern.

Bei den Wahlen 2006 zeigte sich allerdings, dass vor allem auf dem Land die Menschen weiterhin hauptsächlich die zur Wahl stehenden Personen und nicht die Partei wählten. Unter den 992 KandidatInnen waren 317 parteiunabhängig, meist Anhänger der NRM, die nun als Partei nur einen Kandidaten zur Wahl stellen konnte. Die innerhalb der Partei Unterlegenen kandidierten nun als „Independents“ und die größte „Oppositionspartei“ sind nun die Parteiunabhängigen Independants.
Derzeit (2007) sind die Machtverhältnisse im Parlament folgendermaßen verteilt:

Conservative Party

CP

1

Democratic Party

DP

8

Forum for democratic Change

FDC

38

Independants

 

41

JEEMA

 

1

National Resistance Movement

NRM

211

Uganda People's Congress

UPC

9

Army

UPDF

10

Ex-Officio

 

13

Gesamt

 

332

Die NRM gewann die Wahlen haushoch (66%), die neue Partei FDC – eine Abspaltung der NRM konnte nur wenig dagegen halten (12%) und die alten Parteien DP, UPC und CP wurden völlig marginalisiert.

• Der Präsident
Der Präsident hat im ugandischen politischen System sehr viel Macht, vergleichbar den USA und Yoweri Museveni ist nun seit 21 Jahren an der Macht.
Die Kritik der Intellektuellen und der städtischen Bevölkerung an ihm wird immer größer, doch auf dem Land (außer im Norden) genießt er noch immer großes Vertrauen.
Sehr viel seiner Glaubwürdigkeit kostete ihn seine dritte Kandidatur 2006. Die Verfassung von 1995 sah vor, dass der Präsident nur zwei Funktionsperioden ausüben darf, doch 2005 entschied er, die Verfassung zu ändern und das Parlament folgte seinem Vorschlag.
Nichtsdestotrotz gewann er die Präsidentenwahlen 2006 mit 66% der Stimmen.
Viele Befürchtungen wurden auf Grund dieser Verfassungsänderung laut, derzeit haben sich die Diskussionen darüber wieder beruhigt, doch auch gutmeinende Kritiker haben leichtes Unbehagen, ob sich auf lange Sicht eine Diktatur daraus entwickeln wird.
Im Wahlkampf wurde der Gegenkandidat Besigye unter merkwürdigen Anschuldigungen verhaftet, kam aber noch vor den Wahlen wieder frei und konnte ungehindert teilnehmen. Diese Aktion hat ihn eher noch bekannter gemacht, denn geschadet.

• Verwaltungssystem

Föderalismus in Uganda ist bis zu einem gewissen Grad ein Synonym für Monarchismus. Die vier Königreiche (Buganda, Toro, Bunyoro, Ankole) wurden 1966 unter Milton Obote gewaltsam abgeschafft und erfreuen sich daher (besonders im größten und bis dahin mächtigsten Buganda) bei der Bevölkerung größter Beliebtheit. Ein großer Teil des Landes (im Norden Süden und Osten) war allerdings nie als Königreich organisiert sondern innerhalb der Ethnien mit Dorf-Chiefs und Ältestenräten.

Föderalismus im ugandischen Kontext sollte gewissermaßen die Wiedererrichtung der Königreiche sowie eine Verwaltungsstruktur nach Ethnien in den anderen Gebieten bedeuten.
Demgegenüber schlug die NRM die Dezentralisierung nach Distrikten vor, wobei sich Distrikte (wie z.B. die in Buganda liegenden) zu größeren Einheiten zusammenschließen dürfen, was aber höchst unwahrscheinlich ist, da dies einen Machtverlust für die einzelnen Distrikte bedeuten würde.
Die Könige wurden wieder eingesetzt (außer in Ankole), jedoch nur als kulturelle, nicht als politische Institutionen, wodurch die Wünsche der Bevölkerung nach ihren Monarchen zwar berücksichtigt wurden, diesen und ihren Aristokraten jedoch keine politischen Zugeständnisse gemacht wurden.
Inzwischen erhalten immer mehr kleinere Einheiten den Distriktstatus. Die Verwaltung, Finanzen, Steuereinhebung und auch teilweise exekutive Gewalt wird auf Grund dieser Dezentralisierung immer stärker von Kampala aufs Land verlegt. Die Entwicklungspläne der einzelnen Distrikte werden vor Ort entschieden und die ausländischen Geberorganisationen werden angehalten, mit einzelnen Distrikten zusammen zu arbeiten. Österreich z.B. arbeitet hauptsächlich mit dem Distrikt Kisoro im Süden zusammen und fördert dort verschiedenste Projekte einschließlich des Capacity-Building für die Distriktverwaltung.
1986 gab es 37 Distrikte, derzeit sind es 81!


Außenpolitik

Das Engagement Ugandas im Kongo wurde weltweit äußerst kritisch wahrgenommen. Es gab Beschuldigungen, dass Museveni gemeinsam mit Ruanda ein Tutsi-Reich errichten wolle und imperialistische Tendenzen zeige, bzw. gemeinsam mit den USA dem frankophonen Einfluss in Kongo und Ruanda Einhalt gebieten möchte. In einem Weltbankbericht wurden Ruanda und Uganda auch massiv beschuldigt, den Kongo wirtschaftlich auszubeuten.
Hintergrund:
Statements von Museveni zeigen, dass er politische Stabilität und Wirtschaftswachstum für Grundvoraussetzungen hält, um Frieden zu gewährleisten. Wenn Handel getrieben wird, hätten die Menschen etwas zu verlieren und seien somit ethnischer oder religiöser Propaganda nicht so leicht zugänglich.
Er hat konkrete Schritte gesetzt, die Ostafrikanische Union mit Kenia und Tansania wieder zu beleben. 2007 traten auch Ruanda und Burundi der Union bei. Die anderen Nachbarstaaten –Sudan und Zaire unter Mobutu – litten und leiden unter extremen internen Problemen.
Angehörige der besiegten Armeen Ugandas unter Amin und Obote flüchteten in diese Staaten und wurden dort auch unterstützt.

Sudan
Im christlichen und animistischen Süden Sudans herrschte seit jahrzehntelan Bürgerkrieg gegen den islamischen Norden, der erst vor kurzem beigelegt wurde. Es ist anzunehmen, dass Uganda zumindest informell die SPLA Garangs im Sudan unterstützte. Umgekehrt hatten ugandische Rebellen, die „Lord’s Resistance Army“ (LRA) Joseph Kony’s ihre Basislager im Sudan, von wo aus sie immer wieder im Norden Ugandas einfielen und hauptsächlich Massaker an der Zivilbevölkerung begehen (internationales Aufsehen erregt die LRA durch die brutale Entführung von Abertausenden Kindern, die sie als Soldaten in ihre Armee zwingen). Die LRA besteht hauptsächlich aus Acholi, einer Ethnie im Norden Ugandas, die in früheren ugandischen Armeen und schon unter den Engländern den Hauptteil der Soldaten bildete und daher im übrigen Uganda gehasst und gefürchtet wurde. Seit die SPLA an der Regierung des Sudan beteiligt ist (2005 wurde Garang Vizepräsident, starb allerdings drei Wochen später bei einem Hubschrauberabsturz) erhält die LRA keine Unterstützung mehr aus dem Sudan und seit 2006 werden Friedensverhandlungen geführt, deren Erfolg aber noch nicht absehbar ist. Kony steht auf der Liste der international gesuchten Verbrecher des Internationalen Gerichtshofs in Den Haag. Die Überfälle sind jetzt seltener geworden, die Reste der LRA haben sich in den Kongo und in die zentralafrikanische Republik zurückgezogen.

Ruanda
Ruanda wirkte bis 1990 unter Präsident Habyarimana relativ stabil, hatte aber das Problem, dass mehr als eine Million Menschen (meist Tutsi) in Uganda, Burundi und Zaire seit den 1950er Jahren als Flüchtlinge lebten. Als 1990 Ruandesen, die in Musevenis NRM und Armee führende Positionen innehatten Uganda verließen und Ruanda angriffen, wurde die Situation in Ruanda immer kritischer. Zwar konnten die Rebellen (RPF) – Ruanda Patriotic Front) unter Kontrolle gehalten aber nicht besiegt werden und hielten Stellungen im Osten des Landes. Als Habyrimana in Friedensverhandlungen zustimmte, die RPF an der Regierung zu beteiligen, wurde sein Flugzeug bei der Rückkehr nach Kigali 1994 abgeschossen und die „Interahamwe“ – eine radikal nationalistische Hutu-Gruppierung – führte ihren Plan der Ausrottung der Tutsi und moderater Hutu mit äußerster Brutalität durch. In einem Genozid wurden innerhalb von drei Monaten mehr als 500.000 Tutsi und moderate Hutu mehrheitlich händisch mit Macheten unter Beteiligung fast der gesamten Bevölkerung umgebracht. Die RPF versuchte den Völkermord zu beenden und übernahm die Macht in Kigali. Riesige Flüchtlingsströme jener, die am Völkermord beteiligt waren oder dessen hätten verdächtigt werden können, ergossen sich in die umliegenden Länder – hauptsächlich in Mobutus Zaire und wurden von internationalen Flüchtlingsorganisationen betreut, die die Zwangsrückkehr sowie die Auslieferung der Hauptschuldigen am Genozid verhinderten.
Nach Ruanda kehrten viele der in den 50er Jahren Geflüchteten zurück und nahmen die verlassenen Besitztümer der nach dem Genozid Geflüchteten in Besitz.
Doch Ruanda fühlte sich extrem bedroht durch die sich in Zaire wieder organisierenden „Genozidaires“. Ebenso Uganda, das unter Rebelleneinfällen (ADF) von Mitgliedern früherer Armeen, teilweise auch islamistischer Gruppierungen aus Zaire zu leiden hatte, die Unterstützung durch Mobutu und den Sudan erhielten.

Kongo
In dieser Situation wurden Kontakte zu zairischen Rebellengruppen aufgenommen und diese unterstützt. Man einigte sich auf Laurent Kabila als Anführer der zairischen Rebellion, der dann mit ugandischer und vor allem ruandesischer Militärunterstützung das korrupte Mobutu-Regime stürzte und Zaire in die „Demokratische Republik Kongo“ (DRC) umbenannte. In der Hauptstadt Kongos waren die ruandesischen Militärberater äußerst unwillkommen und Kabila wandte sich gegen Ruanda. In Kinshasa waren die „Langnasen“ (Tutsi) der Verfolgung ausgesetzt und wurden oft auch gelyncht. Kabila ordnete auch an, dass die Banyamulenge (Tutsi, die seit Jahrhunderten im Kongo ansässig waren) das Land zu verlassen hätten. Woraufhin Ruanda und auch Uganda sich gegen Kabila wendeten und andere Rebellengruppen unterstützten sowie mit ihren eigenen Armeen den Osten Kongos eroberten. Kabila holte andere afrikanische Staaten zu Hilfe (Simbabwe, Angola, Tschad, Namibia) und ein all-afrikanischer Krieg drohte.
Laurent Kabila wurde von seinen eigenen Leibwächtern ermordet und sein Sohn Joseph Kabila wurde Präsident.
In der Zwischenzeit kam es jedoch zu Meinungsverschiedenheiten und auch militärischen Kämpfen zwischen Ruanda und Uganda über die Methode der Unterstützung. Ruandas Präsident Paul Kagame geht es verständlicherweise hauptsächlich darum sein Land hier und jetzt vor neuerlichen Völkermorden zu schützen; Museveni wollte einen stabilen Nachbarn, dessen politisches System sich von innen erneuert; Rebellen, die ähnlich wie die NRM in einem „verzögerten Volkskampf“, demokratische Strukturen entwickeln und eines disziplinierte starke Armee schaffen, die als Grundlage für eine stabile Struktur in der Zukunft dienen können und dann auch verhindern, dass ugandische Rebellen Zuflucht jenseits der Grenzen finden.
In Friedensverhandlungen in Lusaka wurde vereinbart, dass UNO-Truppen die ugandischen und ruandischen Truppen sukzessive ersetzen und innerhalb der Demokratischen Republik Kongo zwischen den Fraktionen vermitteln sollen. Die ugandischen Truppen haben in der Zwischenzeit den Kongo gänzlich verlassen und wurden durch UNO-Truppen aus verschiedenen EU-Staaten ersetzt. Allerdings brachen gleich danach brutale Kämpfe zwischen den verschiedenen Gruppen aus und ethnisch motivierte Massaker wurden verübt.
Im Hintergrund spielen gerade im Kongo die im Übermaß vorhandenen Bodenschätze eine nicht unbeträchtliche Rolle und sind bei allen Begründungen für „politische“ und „militärische“ Interventionen anderer Staaten nicht zu vernachlässigen.


Wirtschaft

1986 war Uganda wirtschaftlich völlig ruiniert. Es herrschte Lebensmittelknappheit und sämtliche Betriebe und sonstige Infrastruktur waren vernichtet.
Der offizielle Wechselkurs lag weit über dem tatsächlichen Kurs, der Schwarzmarkt boomte. Heute ist der Uganda Shilling eine stabile Währung (1 Euro = ca. 2000 USh), die Inflation ist unter Kontrolle (die Inflationsrate betrug in den letzten Jahren zwischen 2% und 10%). Das Wirtschaftswachstum liegt seit Jahren über 5%.
Die Regierungspolitik fördert Privatisierung und ausländische Investitionen. Eine Mittelklasse soll geschaffen werden, die Arbeitsplätze garantieren kann und damit höhere Steuereinnahmen und bessere Lebensstandards für viele.
Uganda ist ein äußerst fruchtbares Land (bis zu drei Ernten im Jahr), hat aber kaum moderne Landwirtschaftsmethoden. Nur wenige landwirtschaftliche Großbetriebe existieren (Zucker, Tee, Tabak). Das Hauptexportgut Kaffe wird von Kleinbauern, die jeweils einige Kaffeesträucher besitzen, erzeugt.
Es gibt zahlreiche Diversifizierungsprogramme, um von der Abhängigkeit vom Kaffee weg zu kommen (Fischfang, Ölpflanzen, Vanille, Blumen ...). Diese Programme waren erfolgreich: seit 1986 als Kaffee 90% des Exports aus Uganda ausgemachte ist dieser Anteil auf 30% gesunken.
Problem bei Investitionen in die Landwirtschaft sind die komplizierten Eigentumsverhältnisse. In einer Landreform vor einigen Jahren wurde versucht, Privateigentum zu forcieren, sodass die vielen Pächter und Nutzer von kommunalem Land motiviert werden können, in neue Methoden zu investieren ohne die Gefahr, alles wieder zu verlieren. In der Rede Musevenis „Zur Lage der Nation“ 2007 wird angekündigt, dass ein neues Programm „Bonna Bagaggawale“ den Kleinbauern helfen soll hochwertige Produkte zu erzeugen. Im Budget sind Gelder dafür vorgesehen, in jedem Subcounty 30 Modellfamilien bei Produktion und Vermarktung zu beraten

Großen Einfluss auf die ugandische Wirtschaftspolitik haben IWF (Internationaler Währungsfonds) und Weltbank. Anfänglich wollte die NRM diesen Institutionen nicht beitreten und versuchte bilaterale Kredite zu bekommen bzw. Tauschhandel (Bohnen gegen Straßenbau und Ähnliches) zu forcieren, musste jedoch die Erfahrung machen, dass kaum ein Land bereit war substanzielle Entwicklungshilfe zu leisten ohne die Involvierung von IWF und Weltbank. Seither hat sich Uganda zum „Musterknaben“ dieser Institutionen entwickelt und erhält auch dementsprechend hohe Kredite. Uganda ist auch das erste Land, das für Entschuldungen vorgesehen wurde.
Ein Hauptproblem ist der Energiesektor: ein einziges Kraftwerk in Jinja versorgt Uganda mit Strom. Dieses wurde dazu ausgebaut, doch durch das Sinken des Wasserspiegels im Viktoriasee herrscht derzeit extreme Energieknappheit. Zusätzliche Kraftwerke in Bujagali und Karuma werden jetzt forciert und endlich wird auch auf alternative Energiequellen (Solr, Biomasse, etc.) aufmerksam gemacht und im Budget hingewiesen und sollen laut Budget gefördert werden.


Bildung

Uganda war eines der Länder mit der höchsten Alphabetisierungsrate Afrikas. An der Makerere Universität in Kampala studierten fast alle Intellektuellen und Politiker der Unabhängigkeitsgeneration in Ostafrika. Durch die Bürgerkriege ging dieses Potential fast völlig verloren.
Kaum jemand konnte sich das Schulgeld leisten, zahlreiche Schulen waren völlig zerstört, die Gehälter des Lehrpersonals extrem niedrig.
Das Schulsystem entspricht dem britischen und ist im Sekundärschulbereich von Internaten (großteils religiöser Institutionen) geprägt, die in Zukunft in billigere Tagesschulen umgewandelt werden sollen. In den letzten Jahren wurden allerdings zahlreiche Privatschulen gegründet, die zwar teuer, aber trotzdem sehr gefragt sind.
Im Volksschulbereich wurde vor sieben Jahren das „Universal Primary Education Programme“ (UPE) eingeführt, das allen Kindern den kostenlosen Schulbesuch ermöglicht. Die Zahl der Volksschüler hat sich seither von 1,5 Millionen auf 7(!) Millionen erhöht.
In einem nächsten Schritt wird nun versucht, auch die Secondary Schools, für die vielen Abgänger der Volksschulen kostenlos bzw. erschwinglich u machen.


Religion

Ugander sind sehr religiöse Menschen.
Die Hauptreligionen sind Christentum (ca. 35% Katholiken und ähnlich viele Protestanten meist der anglikanischen Kirche) und der Islam (ca. 15 %).
Stolz ist man auf die ersten heiliggesprochenen katholischen Märtyrer Afrikas, die Ende des 19. Jahrhunderts vom König von Buganda hingerichtet wurden (wobei Mitglieder aller drei Religionen betroffen waren).
Unter den Christen gibt es zahlreiche sogenannte „Saved ones“, die ihr Leben nach strengen moralischen Grundsätzen ausrichten. Die Moslems sind kaum fundamentalistisch orientiert, untereinander zerstritten und haben großen Nachholbedarf im Bildungssektor, da sie zum Unterschied von den christlichen Religionen lange keine allgemeinbildenden Schulen unterhielten.
Die christlichen Kirchen bekämpften einander lange Zeit und einige Parteien sind noch heute den Katholiken (DP – Democratic Party) und Protestanten (UPC – Uganda People’s Congress) zuordenbar. Die derzeitige Regierung gewährt Religionsfreiheit und versucht lediglich die Religionsgemeinschaften in den Dienst von Entwicklungsprojekten zu stellen.
Eine wahre Plage sind die zahlreichen Sekten, die vor allem von amerikanischen Missionaren forciert werden, aber auch innerhalb Ugandas entstehen, wie jene Sekte, die Anfang 2000 in der gesamten Weltpresse für Schreckensmeldungen sorgte, da mehr als 300 Personen unbemerkt von offiziellen Stellen ermordet wurden und über 400 in einer von innen zugenagelten Kirche verbrannten. Erklärungen, wie es dazu kommen konnte, sind nicht zufriedenstellend. Oft wird die Armut der Bevölkerung dafür verantwortlich dafür gemacht, was jedoch für diese spezielle Sekte nicht zutrifft, da man beim Beitritt ziemlich viel Geld zahlen musste. Arme wurden erst gar nicht aufgenommen.
Auch traditionelle Religionen sind durchaus vorhanden, allerdings wird kaum ein „Ugander zugeben, diesem „Aberglauben“ anzuhängen. Traditionelle Medizinmänner und -frauen bzw. HeilerInnen werden jedoch häufig frequentiert – sicher auch weil westliche Medizin für einen Großteil der Bevölkerung nicht bezahlbar ist. Es gibt Bestrebungen, die traditionellen HeilerInnen unter einem Verhaltensskodex zu einen und deren Wissen zu sammeln.
AIDS/HIV
Wann immer von AIDS die Rede ist, wird Uganda zitiert, was dazu geführt hat, dass Uganda buchstäblich als DAS Aids-Land berühmt-berüchtigt ist.
Nun war und ist AIDS ein großes Problem in Uganda, allerdings nicht mehr als in anderen afrikanischen oder asiatischen Ländern. Den Unterschied macht der Umgang mit dem Problem. Uganda war von Anfang an bereit, korrekte Zahlen zu veröffentlichen (anders als z.B. im vom Tourismus abhängigen Kenia) und arbeitete intensiv mit der WHO zusammen, um das Problem in den Griff zu bekommen. Korrekte Zahlen und Maßnahmen, die in internationalen Medien genannt wurden, bezogen sich daher meist auf Uganda.
Weniger bekannt ist, dass die Neu-Infektionen in Uganda sehr stark zurückgegangen sind (zum Unterschied von den anderen, meist ebenso stark betroffenen Ländern) auf Grund der intensiven Aufklärungskampagnen und einiger Organisationen, die sich um HIV-Infizierte kümmern. Personen, die selbst infiziert sind, werden dazu angehalten, sich dazu öffentlich zu bekennen und erhalten Schulungen, um andere Infizierte zu betreuen und zu beraten.
In der Hauptstadt sank die Infektionsrate schwangerer Frauen von 31% im Jahre 1993 auf 14% 1998, auf dem Land im selben Zeitraum von 21% auf 8%.
Nichtsdestotrotz bleibt AIDS in Uganda ein schwerwiegendes Problem. Im Distrikt Rakai, der besonders betroffen war, waren in manchen Dörfern nur mehr alte Leute und Waisenkinder anzutreffen, da der Großteil der Menschen zwischen 20 und 50 an AIDS gestorben waren. Dies wirkt sich auch auf die Produktivität der gesamten Gesellschaft aus, da so viele der arbeitsfähigen und ausgebildeten Menschen ausfielen.
Allerdings sterben weit mehr Menschen in Uganda an Malaria als an AIDS. Leider wird diese Krankheit weder in den Forschungsbudgets noch in den Medien genügend berücksichtigt. Im neuen Regierungsprogramm ist Malariabekämpfung endlich eine Priorität.


Frauen

Die traditionelle Rolle der Frauen in Uganda ist auf den privaten Bereich beschränkt, obwohl sie den Hauptteil der Arbeit leisten (Feldarbeit ist Frauenarbeit), haben sie kaum Rechte.
Eine starke Frauenbewegung hat jedoch in den letzten Jahren erfolgreich diese Benachteiligungen problematisiert und ins öffentliche Bewusstsein gebracht. Die Regierungspolitik hat die sogenannte „affirmative action“ für Frauen zum Programm erhoben. In der Politik trägt diese bereits Früchte (siehe Movement-System). Viele Frauen beteiligen sich aktiv an politischen Entscheidungen auf allen Ebenen. Der Anteil der Frauen in den LCs und im Parlament ist höher als in den meisten westeuropäischen Demokratien.
Unglaublich viele Frauen-Selbsthilfegruppen sind im ganzen Land entstanden, die von gebildeten Frauen unterstützt werden; der Schulbesuch von Mädchen wird propagiert und gefördert; Kampagnen gegen Gewalt in der Familie werden geführt; Anwältinnen geben kostenlose Rechtsberatung; u.v.a.m.
Besonders wichtig wäre es das Mitbesitz- und Erbrecht von Ehefrauen und Töchtern für Landbesitz in den „Land Act“ aufzunehmen – ein Passus der mysteriöserweise aus dem ursprünglichen Gesetzesvorschlag verschwunden ist und von den Frauen nun wieder eingefordert wird.