Kurier, 25.02.2006, www.kurier.at
Uganda: Museveni bleibt Präsident
Museveni war nach einer entsprechenden Verfassungsänderung wieder zur
Präsidentschaftswahl angetreten.
Der seit zwanzig Jahren in dem ostafrikanischen Staat Uganda regierende
Präsident Yoweri Museveni und seine Anhängerschaft sind aus der ersten
Mehrparteienwahl seit 25 Jahren als Sieger hervorgegangen. Nach Auszählung von
99 Prozent der Stimmen lag Museveni mit 59,28 Prozent vor Oppositionsführer
Kizza Besigye, der auf 37,36 Prozent kam, wie die Wahlkommission in Kampala am
Samstag mitteilte. Die übrigen Stimmen verteilten sich auf drei weitere
Kandidaten. Die Opposition warf der Regierung Wahlbetrug vor und will das
Ergebnis anfechten.
Die von der Wahlkommission kundgemachten Zahlen stimmten nicht mit dem Ergebnis
einer unabhängigen Zählung überein, sagte eine Sprecherin von Besigyes Forum für
Demokratischen Wandel, Sara Eperu. Demnach sei der Abstand zwischen Museveni und
Besigye deutlich geringer. Ihre Partei werde ihre Zahlen, die auf direkten
Meldungen aus den mehr als 19.000 Wahllokalen beruhten, nach Bekanntgabe des
amtlichen Endergebnisses veröffentlichen.
Ernste Probleme
Bei der Wahl am Donnerstag wurden auch über 284 Abgeordnetenmandate im Parlament
abgestimmt. Wahlbeobachter der EU erklärten am Freitag, verglichen mit früheren
Wahlen stelle die Abstimmung zwar einen Fortschritt dar, es gebe aber weiterhin
ernste Probleme. Schon der Wahlkampf sei nicht fair verlaufen, weil Besigye in
dieser Zeit wegen Vergewaltigung und anderer Vorwürfe vor Gericht gestellt
wurde. Besigye hat die Verfahren als politisch motiviert kritisiert.
Verfassung geändert
Zu den Präsidentschafts- und Parlamentswahlen waren am Donnerstag 10,4 Millionen
Ugandesen aufgerufen. Der Leiter der EU-Wahlbeobachter, Max van den Berg,
empfahl, die Amtszeit des Präsidenten auf zwei Mandate zu beschränken. Der 62
Jahre alte Museveni, der das Land seit dem Sieg seiner "Nationalen
Widerstandsarmee" 1986 regiert, hatte kurz vor der Wahl die Verfassung ändern
lassen, damit er für eine dritte Amtszeit antreten konnte. Besigye, ein
ehemaliger Gefolgsmann Musevenis, war erst vor wenigen Monaten aus dem Exil
zurückgekehrt und wurde danach wegen Landesverrats und Vergewaltigung angeklagt.
Der Prozessbeginn wurde bis nach der Wahl verschoben. Seine Unterstützer
sprachen von gezielter Diskreditierung.
Im Norden Ugandas, wo seit etwa zwei Jahrzehnten der längste Bürgerkrieg des
Kontinents herrscht, soll Besigye nach Medienberichten bis zu 90 Prozent der
Stimmen erhalten haben. Bis zu 1,8 Millionen Menschen leben dort unter
erbärmlichen Bedingungen in so genannten Schutzlagern. Die Rebellenarmee LRA
("Widerstandsarmee des Herrn") terrorisiert seit etwa zwei Jahrzehnten den
Norden Ugandas.
Museveni wurde im Westen vor allem für seine Anti-Aids-Politik gelobt, die auf
radikale Aufklärung setzte. In den neunziger Jahren konnte die Infektionsrate
von etwa 30 auf etwa sieben Prozent verringert werden. Sein internationales
Ansehen litt beträchtlich, als Uganda sich im benachbarten Kongo einmischte.
Seine Kritiker werfen ihm vor, dass er den Bürgerkrieg im Norden des Landes
bewusst schwelen lasse, um seine eigene Stellung zu festigen.