Netzwerkkultur in Uganda
Ein neues Kulturzentrum für Kampala. Die Österreichische Entwicklungszusammenarbeit unterstützt diese Initiative.
Von 11.-15. Februar 2004 wird mit dem Ugandan Development Theatre Festival (UDTA-Festival) das neue Ndere Cultural Centre in Kampala feierlich eröffnet. Bereits zum sechsten Mal findet in Kampala, der Hauptstadt Ugandas, ein regionales Festival mit internationaler und auch österreichischer Beteiligung statt.
Die Vernetzung von ugandischen Kulturgruppen stand am Anfang eines zwölf Jahre dauernden Prozesses, der nun seinen vorläufigen Höhepunkt findet. Über 1000 Kulturgruppen und - initiativen sind mittlerweile im Dachverband UDTA (Ugandan Development Theatre Association) zusammengeschlossen. "Unsere Initiative hat einen echten Schneeballeffekt ausgelöst. Landesweit schließen sich Leute zu Gruppen zusammen, die gemeinsam tanzen, musizieren und Theater spielen. Und wir unterstützen sie dabei mit Workshops und Logistik", freut sich Direktor Stephen Rwangyezi über seine gelungene Aufbauarbeit. Basis bildet die enge Kooperation zwischen dem österreichischen Projektträger vidc (vienna institute for development and cooperation) und dem nunmehr bekanntesten ugandischen Tanztheaterensemble, der Ndere Troupe.
Dialog der Kulturen an der Basis
Wie kann unter gegebenen Verhältnissen Verständnis, Freundschaft und Zusammenarbeit für sinnvolle Entwicklung einer ganzen Region gefördert werden, war eine der zentralen Fragestellungen, die sich die Projektpartner eingangs stellten. Nach wie vor sind die verschiedenen Ethnien einander nicht immer freundlich gesinnt, ein gemeinsames nationales ugandisches Kulturverständnis ist nur gering ausgeprägt. Das Verhältnis Ugandas zu den Nachbarländern ist ebenfalls nicht ungetrübt, die wirtschaftliche Entwicklung lässt zu wünschen übrig, den Menschen mangelt es an Ausbildungsmöglichkeiten und Information.
Im Vordergrund steht demnach der Aufbau und die Betreuung eines breit angelegten Bildungstheater-Netzwerkes, sowie die Errichtung einer funktionierenden Infrastruktur für die aufkeimende ugandische Kulturszene. Kunst und Kultur ermöglichen Begegnungen und fördern Verständnis und Respekt füreinander. Botschaften können in unterhaltsamer Weise vermittelt und weitergetragen werden, die traditionelle Kultur als Grundlage für Selbstbewusstsein wird bewahrt und durch das Kennenlernen anderer Formen weiterentwickelt.
In fast allen der 57 Distrikte des Landes werden Workshops zur Weiterbildung der Theatergruppen gefördert. Darüber hinaus brachte die Ndere Troupe entwicklungspolitisch relevante Stücke heraus, die auf Fussballfeldern, Kultureinrichtungen, Schulen und Dorfplätzen im ganzen Land aufgeführt werden. Themen wie Korruption, Frauenrechte, Demokratie und ökologischer Landbau werden dem Publikum auf unterhaltsame Art und Weise nahegebracht. Das Projektvolumen für entwicklungspolitisches Bildungstheater und Netzwerkarbeit betrug im Zeitraum von 10 Jahren ca. 1,5 Mio Euro.
Zentrum für Kultur und Entwicklung
Von Beginn an war die Schaffung von geeigneter Infrastruktur ein zentraler Projektbestandteil. Jahrelang wurde ein geeigneter Ort für die Errichtung eines Kultur-, Theater- und Kommunikationszentrums gesucht und schließlich in Ntinda, einem Stadtteil Kampalas, gefunden. In fünfjähriger Bauzeit entstand das Ndere Cultural Centre, als Mittelpunkt des weitläufigen UDTA-Netzes. Neben einem Amphitheater, das 1000 BesucherInnen Platz bietet, wird ein überdachter Raum mit einer Fassungskapazität von 400 Personen, ein Gästehaus für KünstlerInnen sowie ein von den Betreibern, der Ndere Troupe, geführtes Restaurant seiner Bestimmung übergeben. In den letzten fünf Jahren wurden in den Bau 1,3 Mio Euro investiert und das Objekt in die Obhut eine Stiftung, der Ndere Foundation, übergeben.
Eröffnung - Kooperationen mit Kontinuität
"Wir inspirieren uns gegenseitig und hören aufeinander. Das ist intensive Auseinandersetzung mit den Musikstilen Ugandas. Sie zeigt, dass die Musik Afrikas weit mehr ist als nur Rhythmus, Trommeln und Gesang. Mit Endingidi (Harfe) und Amadinda (Xylophon) beschreiten wir ganz andere Wege als herkömmliche Crossover-Projekte", fasst Matthias Loibner, Drehleierspieler der steirischen Gruppe deishovida die vierjährige Zusammenarbeit mit der ugandischen Band "The Big5" zusammen. Die kontinuierlichen Auftritte beider Bands in Österreich und Uganda erleben beim gemeinsamen Auftritt im Rahmen der Eröffnung einen weiteren Höhepunkt.
Die ugandische Tänzerin, Sängerin und Choreografin Chandiru Mawa fand vor zehn Jahren in Österreich eine neue Heimat. "In meiner Choreografie Eeka-Dahoam begebe ich mich auf Suche nach Identität zwischen zwei Welten und reflektiere gemeinsam mit gänzlich verschiedenen Tänzerinnen und Stilen meine Entwicklung in Österreich", freut sie sich darauf, dass sie ihre Erfahrungen vor "heimischem" Publikum zeigen kann. Musikalisch und tänzerisch ist diese Produktion eine Aufforderung, Barrieren zu überwinden, Brücken zu schlagen.
Außerdem werden Gruppen aus Ruanda, Kenia und Mosambik beim Festival auftreten, um den Süd/Süd Kulturaustausch zu fördern und die internationale Vernetzung zu verbessern.
Die Verknüpfung von kulturellen Aspekten mit entwicklungspolitischen Inhalten als Herzstück der erfolgreichen Zusammenarbeit wird von der Österreichischen Entwicklungszusammenarbeit im Außenministerium unterstützt und finanziert. Auch in Zukunft soll die bewährte Kooperation zwischen vidc und den ugandischen Partnern eine Fortsetzung finden.
"Die in 30 Bezirksfestivals gekürten Kulturgruppen des Landes treffen in der Hauptstadt ein. An die tausend Künstler und Künstlerinnen werden in einer Schule in der Nähe des Zentrums untergebracht. Alle packen ihre Kostüme und Requisiten aus. Es wird genäht und gewaschen, Musikinstrumente werden gestimmt, Tanzschritte geübt. Die Gruppe aus Arua aus dem äußersten Nordwesten Ugandas kommt erst zwei Tage später; ihr Bus ist unterwegs zusammengebrochen. Die Twa aus dem Süden, die unter primitivsten Bedingungen im Regenwald leben, schlafen zum ersten Mal in ihrem Leben auf Matratzen. Die Stockbetten stellen sie vor große Probleme. Der Leiter der Gruppe, ein aktives Mitglied der UDTA hat mühsam über lange Zeit Freundschaft mit den kleinen scheuen Menschen geschlossen, die nur zum Betteln ins nächstgelegene Dorf kommen. (Bericht, Maria Hirsch, Projektreferentin vidc vom UDTA-Festival 2003)
Dr. Michael Stadler, stadler@vidc.org,
01 / 713 35 94 - 79