Neue Züricher Zeitung, 23. Februar 2006, www.nzz.ch
Der ugandische Präsident Museveni gibt sich siegesgewiss.
Unverfrorener Einsatz staatlicher Ressourcen im Wahlkampf.
Die ersten Mehrparteienwahlen in Uganda werden Präsident Museveni wahrscheinlich
im Amt bestätigen. Die Bedingungen für einen freien und fairen Urnengang sind
allerdings nicht erfüllt.
K.P. Nairobi, 22. Februar
Schon bei der Ankunft im internationalen Flughafen Ugandas, in Entebbe, blickt
dem Ankömmling Yoweri Museveni ins Gesicht. Die gelben Wahlplakate mit dem
Konterfei des Präsidenten kleben überall, wo sie eigentlich gar nicht
hingehören. „Wählt das National Resistance Movement (NRM)“, steht zum Beispiel
auf den Schaltern der Einwanderungsbehörde und an den Wänden der Ankunftshalle.
Dass sich Museveni und seine Anhänger derart unverfroren staatlicher Gebäude
bedienen, um Stimmen zu werben, ist typisch für diesen Wahlkampf. Das NRM, die
bisherige Einheitspartei, setzt, ohne zu zögern, Regierungsmittel ein, um seinen
Wahlsieg sicherzustellen. Die amerikanische Menschenrechtsorganisation Human
Rights Watch meint, dass die Bedingungen für einen freien und fairen Wahlkampf
nicht erfüllt seien.
Unabhängige Justiz
Obwohl sich Museveni, der 1986 nach einer Rebellion gewaltsam an die Macht
gekommen war, im Walkampf siegesgewiss zeigte und ihm Umfragen dabei Recht
geben, kann wenig über die tiefe Verunsicherung hinwegtäuschen. Nur so ist die
unbeherrschte Reaktion Musevenis zu erklären, der seinen wichtigsten Gegner
Kizza Besigye, kurz nach dessen Rückkehr aus dem Exil einsperren liess. Besigye
hatte bei öffentlichen Auftritten eine überraschend grosse Anhängerschaft
mobilisiert. Die Anklage lautet nun auf Hochverrat, Terrorismus und
Vergewaltigung. Es spricht für die Unabhängigkeit der Justiz, dass sich die
höchsten Richter nicht durch den militärischen Staatsapparat einschüchtern
liessen und anderem entschieden, dass sich Besigye, der Kandidat des Forum for
Democratic Change, als Zivilist nicht einem Kriegsgericht stellen müsse.
Musevenis ehemaliger Leibarzt wurde gegen Kaution auf freien Fuss gesetzt, und
die verschiedenen gegen ihn laufenden Prozesse sollen erst nach den Wahlen
fortgesetzt werden.
Vieles deutet darauf hin, dass die Anklagepunkte wenig stichhaltig, sondern
politisch motiviert sind. In jedem Fall haben die vielen Gerichtstermine
Besigyes Wahlkampf deutlich gehemmt. Trotzdem scheint der Oppositionspolitiker
besonders in den Städten besonders populär zu sein, wo viele Wähler nach zwanzig
Jahren Museveni genug haben von „M/“, wie der Staatschef im Volksmund genannt
wird. Der grosse Ausstich wird im Westen des Landes erwartet, aus dem sowohl
Museveni als auch Besigye stammen, auch wenn sie unterschiedliche Ethnien
angehören. Noch während des juristischen Gerangels entschied die Wahlkommission,
dass der 49-jährige Besigye trotz den gegen ihn gerichteten Vorwürfen als
Präsidentschaftskandidat antreten dürfe. Dies ist ein weiteres positives
Zeichen.
Betrügereien
Wenig gutes erwarten lässt jedoch die Einberufung von 12.000 Reservisten zum
Schutz der Wahllokale, die in gewissen Regionen auch von Regierungsmilizen mit
zweifelhaftem Ruf bewacht werden sollen. Ähnliches gilt für den Aufruf Besigyes
an die Adresse seiner Anhänger, nach der Stimmenabgabe in der Nähe der
Wahllokale zu bleiben, um Betrugsmanöver der NRM zu verhindern. Gross angelegte
Manipulationen am Wahltag und bei der Stimmabgabe sind dank der Wahlkommission
und den zahlreichen in- und ausländischen Beobachtern wenig wahrscheinlich. Bei
einem knappen Ausgang könnte Betrug jedoch den Ausschlag geben.