Österreichisch - Ugandische Freundschaftsgesellschaft
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Warum Uganda? Diese Frage wird mir von allen gestellt, denen ich von meinem Engagement für das ostafrikanische Land erzähle. Ja – warum Uganda? Nach vielen Jahren als Bibliothekarin wollte ich eine Pause machen und bewarb mich 1986 bei Entwicklungshilfe-Organisationen um eine Entsendung in ein Projekt – vorzugsweise nach Nicaragua oder Südamerika. Ich besuchte Seminare und auf einem dieser Seminare begegnete ich Peter Jjumba aus Uganda, der mich anschließend voller Begeisterung mit Information über ein wunderschönes Land, in dem gerade ein grauenhafter Bürgerkrieg zu Ende war, eindeckte. Ich war nicht besonders interessiert, aber er hatte ein Büchereiprojekt für Kindersoldaten in der Tasche und ich sah eine Chance der Verwirklichung des Projektes und mich auf dem Weg ins Abenteuer. Im Juli 1986 rief er mich an und erzählte mir, dass er nach Uganda zurückgehen werde, aber eine Lobby-Gruppe in Österreich gründen wolle, die seine Arbeit weiterführen sollte. Ich lud ihn ein, das erste Treffen in der Zweigstelle der Wiener Büchereien, in der ich arbeite, abzuhalten. An diesem Abend verließ ich die Bücherei als Obfrau der „Projektgruppe für den Wiederaufbau Ugandas“!! Da ich keine Ahnung von dem Land hatte, packte ich meine Koffer und fuhr im Jänner 1986, ein Jahr nach dem Sieg der Guerillatruppen der Nationalen Widerstandsbewegung (NRM) für sieben Wochen mit meinem Freund nach Uganda. Wir sollten vom Flughafen abgeholt werden, aber es war niemand da. Wir fuhren in die Hauptstadt nahmen uns ein Zimmer in einem der heruntergekommenen Hotels und versuchten, unsere Kontaktperson aufzutreiben, was uns erst nach mehreren Tagen gelang. Der Schwarzmarktkurs der ugandischen Währung war 10x so hoch, wie der offizielle – in dunklen Ecken wechselten wir Dollars in Riesenberge von Uganda-Shillingen ein. In den Geschäften gab es kaum Waren, viele Gebäude waren nur Ruinen, aber die Menschen waren voller Hoffnung. Dieser unglaubliche Enthusiasmus der Menschen, die 20 Jahre Bürgerkrieg hinter sich hatten und jetzt unter Führung der NRM und ihres neuen Präsidenten Museveni die Politik selbst in die Hand nehmen wollten, hat auch mich begeistert. In den Dörfern im notorischen Luweero-Dreieck rund um Kampala, wo die Kämpfe am heftigsten waren und die Obote-Armee am brutalsten gewütet hatte, lagen sorgfältig aufgeschlichtet Berge von Skeletten; in einem Folterzentrum lagen noch bereits mumifizierte abgeschlagene Gliedmassen und eingeschlagene Köpfe herum. Doch in jedem Dorf war ein neunköpfiger Widerstandsrat (Resistance Council) gewählt worden, dessen Mitglieder den Wiederaufbau in Angriff nahmen. Alle waren politisch gebildet, kannten die Probleme und waren bereit zusammenzuarbeiten, um ein neues friedliches Uganda aufzubauen. Alle Menschen, denen wir begegneten, waren arm. Die Frauenministerin Janat Mukwaya nahm uns in einem ausgebeulten, offenen Jeep ohne Sitzpolster mit in die Dörfer. Fr. Albert Byaruhanga fuhr mit uns nach Fort Portal – 320 km in 12 Stunden! Überall sahen wir Selbsthilfe-Projekte, die noch von keiner internationalen NGO gefördert wurden, wie überhaupt kaum Bazungu (Weisse) anzutreffen waren, außer einigen wenigen Missionaren und Nonnen die die Schreckenszeit über in Uganda ausgeharrt hatten. Bei meiner Rückkehr nach Österreich war ich gefangen von Uganda, von der Schönheit des Landes, aber vor allem von den Menschen, die mit aller zur Verfügung stehenden Energie und all ihrem Wissen und Können, ein schöneres, neues Uganda schaffen wollten. Ich wurde nie wirklich enttäuscht. Die Regierung verfolgte ihre Ziele hartnäckig und bis heute entsprechend ihrem 10-Punkte-Programm, das in Unterolberndorf in Niederösterreich entwickelt worden war. Vieles ist nicht ganz so gelaufen, wie geplant, aber die Grundtendenzen stimmen noch immer. Das Movement-System hat eine neue politische Klasse hervorgebracht, eine von der Bevölkerung mitgestaltete Verfassung entstand, die Wirtschaft wächst.... Tausende Probleme müssen noch gelöst werden, der Krieg im Norden Ugandas ist eine Katastrophe und doch: Uganda ist eine Hoffnung im afrikanischen Kontext.. Ich habe Freundschaft mit vielen, vielen UganderInnen geschlossen. In Kampala begegne ich mehr Bekannten auf offener Straße als in Wien, am Flughafen werde ich jetzt immer abgeholt - manchmal von der gesamten Tanz- und Theatergruppe Ndere Troupe mit Musik und Tanz... Uganda, weil ich von klugen, gebildeten Menschen überzeugt wurde, dass man etwas tun kann gegen Armut und Verzweiflung, für Frieden und Entwicklung. Maria Hirsch, Generalsekretärin der Österreichisch - Ugandischen Freundschaftsgesellschaft
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